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Die eigene Biographie
wird beeinflusst
angestoßen
streckenweise begleitet
durch Ereignisse
die stattfinden
oder ausbleiben
und auch durch Personen
 
Dass mir dabei zunächst
Personen der Literatur
in den Sinn kommen
ist sicher nicht zufällig
 
Natürlich aber
gehören auch Menschen dazu
die sich durch ihr Leben
ihre Haltung
ihre Aussagen und Entwürfe
auch durch ihre Provokationen und Anstöße
einen Platz in meiner 'Ehrenhalle' erworben haben
 
 
 
Die Rechte an den Fotografien in diesem Teil der Galerie
liegen und bleiben natürlich bei den Autoren bzw. Fotografen.
 
Heinrich Böll:
 
Keine andere Wahl haben, das ist ein großes Wort, aber ich habe auf die Frage, warum ich schreibe, bisher keine bessere Antwort gefunden: Kunst ist eine der wenigen Möglichkeiten, Leben zu haben und Leben zu halten, für den, der sie macht, und für den, der sie empfängt. Sowenig wie Geburt und Tod und alles, was dazwischen liegt, Routine werden können, so wenig kann es die Kunst. Freilich gibt es Menschen, die ihr Leben routiniert leben; nur: sie leben nicht mehr. Es gibt Künstler, Meister, die zu bloßen Routiniers geworden sind, aber sie haben -- ohne es sich und den anderen einzugestehen -- aufgehört, Künstler zu sein. Man hört nicht dadurch, daß man etwas Schlechtes macht, auf, Künstler zu sein, sondern in dem Augenblick, in dem man anfängt, alle Risiken zu scheuen.
 
(aus: Das Risiko des Schreibens, 1956)
© Ulrich Baatz, aus: Hans Scheurer (Hrsg.): Heinrich Böll, Bilder eines Lebens, Köln 1994
 
Leonard Cohen:
 
Wieviele Leute in dieser Stadt
 
 
Ich frage mich, wieviele Leute in dieser Stadt
in möblierten Zimmern wohnen.
Spät abends, wenn ich hinaus auf die Gebäude schaue:
ich schwöre, ich sehe in jedem Fenster ein Gesicht,
das zu mir hersieht,
und wenn ich mich abwende
frage ich mich, wieviele zurück an ihren Schreibtisch gehen
und dies aufschreiben.
 
(aus: The Spice-Box of Earth, 1961)
 
© Bravado Merchandising Services Ltd., 1985
 
Jean Paul Sartre:
 
 
... die Vergangenheit litt unaufhörlich unter der Retuschen der Gegenwart;
jeder Tag betrog immer wieder diese alten Träume von Größe,
und jeder Tag hatte eine neue Zukunft;
von Warten zu Warten, von Zukunft zu Zukunft
glitt das Leben dahin ... Wohin?
Ins Nichts.
 
(aus: Zeit der Reife, 1961)
 
© Gisèle Freund, aus: Annie Cohen-Solal: Sartre 1905-1980, Reinbek 1988
 
Henry Miller:
 
... und was kann so ein Schriftsteller schaffen, was nicht schon geschaffen ist. Nichts. Der Schriftsteller ordnet die graue Materie in seinem Dusselkopf um, er macht einen Anfang und ein Ende - gerade das Gegenteil von Schöpfung - und mittendrin, wo er umherschlurft oder besser umhergeschlurft wird, entsteht die Nachahmung der Wirklichkeit, ein Buch...
 
 
Wir klammern uns an eine Erinnerung, um eine Identität zu bewahren, die, einmal bewusst geworden, unverlierbar ist. Wenn wir diese Wahrheit in einem Akt der Erinnerung entdecken, dann vergessen wir alles andere...
 
 
© 1991, H. M. Memorial Library, J. Kamsitra
 
Max Frisch:
 
... hast du es nie erlebt, das nüchterne Staunen vor einem Wissen, das stimmt? Zum Beispiel: was ein Kreis ist, das Lautere eines geometrischen Orts. Ich sehne mich nach dem Lauteren, Freund, nach dem Nüchternen, nach dem Genauen; mir graust vor dem Sumpf unserer Stimmungen. Vor einem Kreis oder einem Dreieck habe ich mich noch nie geschämt, nie geekelt. weißt du, was ein Dreieck ist? Unentrinnbar wie ein Schicksal: es gibt nur eine einzige Figur aus den drei Teilen, die du hast, und die Hoffnung, das scheinbare unabsehbarer Möglichkeiten, was unser Herz so oft verwirrt, zerfällt wie ein Wahn vor diesen drei Strichen. So und nicht anders! Sagt die Geometrie. so und nicht irgendwie. da hilft kein Schwindel und keine Stimmung ... ich habe noch nichts Größeres erlebt als dieses Spiel, dem Mond und Sonne gehorchen ... Schau in die Milchstraße empor, es ist Raum, dass dir der Verstand verdampft, unausdenkbar, aber es ist nicht das Unendl iche, das sie allein dir zeigen: zwei Striche im Sand, Parallelen, gelesen mit Geist ... Ich bin voll Liebe und Ehrfurcht, nur darum spotte ich. Jenseits des Weihrauchs, dort, wo es klar wird und heiter und durchsichtig, beginnen die Offenbarungen; dort gibt es keine Launen, wie in der menschlichen Liebe; was heute gilt, das gilt auch morgen, und wenn ich nicht mehr atme, es gilt ohne mich, ohne euch. Nur der Nüchterne ahnt das Heilige ... Warum wollt ihr immer glauben, was euch gefällt, und im Grunde glaubt man ja bloß, man könne die Wahrheit ändern, indem man nicht darüber lacht ...
 
(aus: Don Juan oder Die Lieber zur Geometrie, 1953)
 
© Volker Hage, Hamburg, 1982
 
Romy Schneider:
 
Diese Rolle ist eine Rolle, der ich in meinen letzten Filmen am meisten zugestimmt habe. Das Mädchen handelt, denkt und liebt so, wie ich es auch tun würde. Es ist die beste Rolle, die mir in den letzten Jahren angeboten worden ist. Um ein Signal gegen die Nazitypen zu setzten, die in Deutschland noch immer etwas zu sagen haben, habe ich mitgemacht.
Es wurde oft genug als Landesverrat ausgelegt, als ich vor 15 Jahren nach Frankreich gegangen bin.
Verrat? Weil ich als Deutsche eine Jüdin spiele, die sich in einen Franzosen verliebt? Du lieber Himmel - über dieses entsetzliche Nationaldenken sind wir doch hinaus!
 
(zum Film 'Le Train', Frankreich/Italien 1973, Regie: Pierre Granier-Deferre, u.a. mit Jean-Louis Trintingant)
 
aus: Renate Seydel: Romy Schneider, Bilder ihres Lebens, DDR - Berlin 1987 (Nachdruck der Büchergilde Gutenberg, Frankfurt)
 
André Heller:
 
In der Veantwortung stehen heißt um die Angst wissen. Wir fürchten die Möglichkeiten, die uns gegeben sind. Wir fürchten das Ausgeliefertsein an die Zeitlichkeit. Wir fürchten. Ein Leben ohne Angst ist oberflächlich. Sicherheit ist ein Privileg der Dummköpfe. Angst ist ausweglos und kanalisiert sich in Panik. Kunst ist Panik. Schreiben, komponieren, seiltanzen, filmen, malen ist ein Schweißausbruch der Phantasie. Angst ist körperlich, seelisch und geistig zugleich. Sie ist eine Angelegenheit des ganzen Menschen, der nicht bloß in einem Abteil seines Wesens Angst empfindet, sondern den die Angst im wahrsten Sinne des Wortes hat. Der Mensch wird Angst, ist Angst. Ich bin Angst. Ich bin Angst.
 
(26. Jänner 1975)
 
mit Man Ray © Gabriela Brandenstein, 1974
 


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